Ein kritischer Blick auf Deutschlands digitale Abhängigkeit

von | 04/03/2024

In einer Zeit, in der digitale Technologien das Rückgrat unserer Wirtschaft bilden, wirft die zunehmende Abhängigkeit von Digitalimporten in Deutschland ernsthafte Fragen auf. Eine kürzlich von Bitkom Research durchgeführte Studie unter mehr als 600 Unternehmen aller Branchen beleuchtet diese Abhängigkeit und fordert eine stärkere Betonung der digitalen Souveränität.

Die Faktenlage

In einer umfassenden Studie hat der Digitalverband Bitkom die Abhängigkeit deutscher Unternehmen von digitalen Importen beleuchtet und dabei alarmierende Zahlen ans Licht gebracht. Die Ergebnisse, präsentiert von Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst am 17. Januar 2024 in Berlin, werfen ein Schlaglicht auf die Dringlichkeit, die digitale Souveränität Deutschlands zu stärken.

Die Fakten: Deutschlands digitale Abhängigkeiten

Die Bitkom-Studie, die auf einer Befragung von 604 Unternehmen basiert, offenbart eine tiefgreifende Abhängigkeit von ausländischen digitalen Technologien und Dienstleistungen:

  • 94% der deutschen Unternehmen importieren digitale Technologien oder Leistungen aus dem Ausland, wobei Endgeräte, digitale Bauteile und Software die Importliste anführen.
  • Eine deutliche Mehrheit, 62% der Befragten, empfindet ihre Unternehmen als stark abhängig von diesen Importen. Weitere 32% sehen sich als eher abhängig.
  • Die wichtigsten Bezugsquellen sind die USA, China und die EU, wobei beinahe alle befragten Unternehmen (95%) angeben, digitale Produkte oder Services aus dem Ausland zu beziehen.

Kurzfristige Überlebensfähigkeit ohne Importe

Die Studie zeigt auf, dass ohne die Möglichkeit, digitale Technologien aus dem Ausland zu importieren, jedes zweite Unternehmen nur kurz überlebensfähig wäre. Etwa 57% der Unternehmen könnten 13 bis 24 Monate durchhalten, während 19% sieben bis zwölf Monate und 12% sogar weniger als sechs Monate überlebensfähig wären.

Exporte und die Suche nach Diversifizierung

Während ein Drittel der deutschen Unternehmen digitale Technologien und Dienstleistungen ins Ausland exportiert, meist in EU-Länder und die USA, zeigt die Studie auch eine klare Tendenz zur Diversifizierung. Unternehmen versuchen, ihre Abhängigkeiten durch die Wahl verschiedener Bezugsquellen zu minimieren.

Die Risiken politischer Abhängigkeit

Über die Hälfte der Unternehmen (53%) gibt zu, bei der Wahl ihrer Geschäftspartner politische Risiken eingehen zu müssen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Abhängigkeiten zu reduzieren und die digitale Souveränität zu stärken.

Die Rolle der Bundesregierung

Die Bemühungen der Bundesregierung, die digitale Souveränität Deutschlands zu fördern, werden von den Unternehmen kritisch gesehen und mit einer durchschnittlichen Note von 5,1 bewertet. Dies verdeutlicht den dringenden Handlungsbedarf.

Bitkoms Forderungen

Um die digitale Souveränität Deutschlands zu stärken, empfiehlt Bitkom eine Konzentration auf die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, die Stärkung von Schlüsseltechnologien und die Förderung von Anwendungsfeldern. Dr. Wintergerst betont die Notwendigkeit einer Trendwende und fordert, digitale Schlüsseltechnologien gezielt zu fördern.

Fazit

Die Bitkom-Studie legt offen, dass die deutsche Wirtschaft tiefgreifend von digitalen Importen abhängig ist. Diese Abhängigkeit birgt Risiken und macht die Stärkung der digitalen Souveränität zu einer dringenden Aufgabe. Die Ergebnisse sind ein Weckruf für Unternehmen und Politik gleichermaßen, um gemeinsam Strategien zu entwickeln, die Deutschlands Position als digital souveräner und wettbewerbsfähiger Standort sichern.


Quellen: Zur Studie „Deutschlands Abhängigkeit von Digitalimporten wächst“ von der Bitkom